Wie ich schon schrieb, ist Beneficio ein wunderbarer Ort zum Lernen. Es berührt mich sehr zu sehen, dass viele Menschen hier sehr aktiv sind und offen für neue Erfahrungen und neues Wissen. Aus der städtischen Perspektive war ich mir nicht immer so sicher, ob der Mensch tatsächlich von sich aus nach stets mehr Wissenserlangung strebt und von Neugierde getrieben wird. Durch den ständigen Zwang von Außen, zu lernen und sich fortzubilden, durch den Zeitdruck und dem Wettbewerbsdruck und dem Überlebensdruck bezüglich der finanziellen Situation entsteht bei vielen eher eine Sattheit gegenüber dem Lernen und Erfahrungen sammeln und Nachdenken. Es entsteht der Wunsch, den Kopf ab-, den Fernseher anzuschalten und andere für einen denken zu lassen – ob es nun ums Essen geht oder Politik. Andere entscheiden für einen und meist entscheiden wenige – Lobbyisten, Politiker_innen und andere Menschen mit wirtschaftlichen Interessen – für die Mehrheit.
Hier hingegen entscheidet jede_r für sich und alles ist entspannt. Niemand zwingt einen zu irgendetwas. Jede_r kann den Tag nach den eigenen Vorlieben gestalten, kann ihn komplett verschlafen und Drogen konsumieren und wird darin in Ruhe gelassen. Es gibt natürlich dann auch einige, die das genau so tun, die nicht viel mehr tun, außer Schlafen, Essen und Kiffen. Und das ist okay so. Jede_r darf das Leben so gestalten, wie er/sie mag. Und genau weil dies so ist, weil eben keine negative Gegenreaktion kommt, bleibt dies bei vielen eine Phase. Meist ist es eine Phase der Heilung – die Wunden, die von der so genannten Zivilisation davongetragen werden, müssen erst einmal verheilen und es tut gut, absolut nichts zu tun und vor Allem entspannt absolut nichts zu tun, ohne ständige Ermahnungen und Kommentare von Außen. Nach dieser Heilungsphase entsteht dann bei vielen plötzlich eine unheimliche Energie und ein Tatendrang. Auch hier wird dies dadurch unterstützt, dass kein Druck von Außen herrscht. Niemand muss etwas für die Gemeinschaft tun, niemand muss hier auf eine bestimmte Art und Weise leben, niemand muss sich auf eine bestimmte Art und Weise ernähren oder auf eine bestimmte Art und Weise denken. Im Gegenteil – Vielfalt ist erwünscht, ehrlich erwünscht mit dem Bewusstsein, dass Vielfalt auch Exzentrizität oder Isolation mit sich bringen kann.
Wenn die Energie kommt, dann kann sie sich frei entfalten ohne direkt gegen eine Wand zu rennen.
Ich hatte auch meine faule Phase. Zwar hatte ich irgendwo auch einen gewissen Tatendrang, wollte etwas tun, aber die Lethargie war stärker. Und nachdem ich anfangs ein schlechtes Gewissen deswegen hatte und mir viele Gedanken machte, wurde mir dann plötzlich bewusst, dass jetzt doch eigentlich die Gelegenheit ist, uneingeschränkt faul zu sein. Niemand redet mir etwas ein, niemand macht mir ein schlechtes Gewissen, es herrscht kein Druck von Außen, keine Anforderungen, kein Zeitplan, ich kann schlafen wann und wie viel ich will, ich kann machen, was ich will.
Als ich endlich losgelassen habe, als ich mich endlich entspannt habe, konnte ich genießen. Und dann kam allmählich die Energie. Zunächst in kleinen Momenten und dann immer öfter. Voller Freude setzte ich mich nun zum Spanisch lernen hin, experimentiere ich mit Zutaten um stromlos und entsprechend ohne Blender rohe Gerichte zu kreieren, lese ich ein Buch nach dem anderen und mehrere parallel, lerne ich Trommel-Rhythmen aus Ermangelung einer Trommel auf meinen Schenkeln oder Gegenständen zu trommeln, verschönere ich den Platz, auf dem mein Zelt steht, und mache einiges mehr. Aber alles entspannt und zu seiner Zeit. Ich mache worauf ich Lust habe und stelle fest, dass ich unheimlich viel Lust habe, viel zu tun und viel zu lernen und viele Erfahrungen zu sammeln und an meinen Fähigkeiten zu arbeiten. Wissensdurst und Tatendrang treiben mich und auch wenn ich schon immer einen großen Wissensdurst und Tatendrang hatte, so wurde dieser doch immer und immer wieder gelähmt durch Druck von Außen. Nun kann ich mich in Freiheit entfalten und stelle fest, dass ich so wesentlich produktiver bin. Dass ich mit wenig Mühe, viel erreiche – da ich nur tue, was ich will und wann ich es will. Und letztlich tue und schaffe ich so viel mehr.
So ergeht es auch anderen. Es ist schön zu sehen, wie Menschen hier eine Möglichkeit geboten wird, sich selbst kennen zu lernen und zu entfalten und es ist noch schöner zu sehen, dass dabei tatsächlich sehr schöne Menschen bei rauskommen. Ich möchte nicht sagen, dass hier alle Menschen nahezu perfekt und fehlerfrei wären. Gewiss nicht. Aber doch ist in vielen hier ein gewisses Strahlen zu sehen, das einen das tatsächliche Potential und die tatsächliche Schönheit des Menschen erahnen lässt. Hier ist noch nicht das Paradies, aber doch bekomme ich eine Ahnung, wie das Paradies aussehen könnte. Und ich frage mich, ob hier nicht der Paradies-ähnlichste Ort ist, den es derzeit gibt?
Wednesday, June 23, 2010
Wednesday, June 16, 2010
Erste Eindrücke
Jetzt bin ich schon vier Wochen hier und ich denke, ich fühle mich allmählich fähig einen ersten Eindruck zu formulieren. Es gibt nach wie vor viel zu erleben und kennen zu lernen – was ich als unheimlich positiv ansehe. Ein Ort, den ich nach einem Monat kenne, ist zu langweilig.
Ich schätze in Beneficio leben mindestens 200 Menschen – einige leben hier seit vielen Jahre, einige sind nur zu Besuch ein paar Tage, Wochen oder Monate da. So gibt es zwar immer Gesichter, die ich wiedererkenne, aber auch immer wieder welche, die neu sind. Es gibt immer Menschen kennen zu lernen, weil ständig welche kommen und gehen. Die, die hier leben, lernen nie alle kennen, die Beneficio besuchen. Manchmal sehen sich Leute zum ersten Mal, obwohl sie beide seit Monaten schon hier sind. Hier wird sich wie in einem Dorf oder in einer kleinen Stadt immer begrüßt, und zwar mit „Hola!“. Die Hauptsprachen sind Spanisch und Englisch. Es ist auch hilfreich, tatsächlich beide Sprachen zu sprechen, da einige nur die eine oder andere sprechen. Je mehr Sprachen jemand spricht, desto besser. Hier sind unheimlich viele Nationen vertreten und viele Sprachkenntnisse erleichtern die Kommunikation und den Austausch. Menschen, die hier dauerhaft leben, sprechen meist drei oder mehr Sprachen: Ihre Muttersprache, Spanisch und Englisch. Nur die Englisch-Muttersprachler sprechen meist nur Englisch und Spanisch, und Spanisch-Muttersprachler sprechen meist nur Spanisch und vielleicht ein kleines bisschen Englisch. Die Kinder hier wachsen „zwangs“-weise mehrsprachig auf, und helfen manches Mal den Erwachsenen beim Dolmetschen. Manche gehen in der Kultur- und Sprachenvielfalt so sehr auf, dass sie eine Sprache nach der anderen lernen und es gibt hier ein paar Kinder, die vier- und fünfsprachig aufwachsen.
Beneficio ist ein wunderbarer Ort zum Lernen. Und dieses Lernen findet auf eine unheimlich natürliche Art und Weise statt. Nicht nur zum Sprachenlernen ist's hier toll, auch die Kunst, vor Allem die Musik, nimmt einen wichtigen Platz ein. Fast alle spielen ein Instrument oder spätestens, wenn jemand hier her kommt und eine Weile bleibt, wird eines erlernt. Von irgendwo kommen immer mal leise, mal lauter Gitarren-, Flöten-, Trommel- oder Didgeridoo-Laute. Und ergeben zusammen mit den Vogelstimmen und dem Rauschen der beiden kleinen Flüsse ein wunderbares Konzert. Diese Geräusche sind aber nicht aufdringlich, höchstens mal wenn jemand gerade lernt Didgeridoo zu spielen, könnte es nervig werden, aber ansonsten ist es immer sehr angenehm und ist wie Stille, auch wenn Geräusche hörbar sind. Diese Geräusche sind so angenehm, dass sie mit den Geräuschen in der Stadt nicht zu vergleichen sind. Die Stadt ist Lärm, hier ist Stille.
Neben der Musik, spielen auch andere Formen der geistigen Schöpfungskraft eine wichtige Rolle, ohne jedoch übermäßig betont und verzehrt zu werden, sondern indem sie ganz natürlich zum Alltag gehören. Viele haben kreative Frisuren, meist ein Teil in Dreads, ein anderer Teil kurz oder kahl gehalten, mit Farben darin oder Perlen. Manche haben Gesichtsbemalung. Viele toben sich bei ihrer Kleidung kreativ aus. Vor Allem eine Französin ist mir hier aufgefallen, die es immer wieder schafft französischen Schick mit alternativen, Ethno-Kleidungsstilen zu kombinieren.
Es gibt verschiedene Formen des Wohnens. Es gibt Zelte, Tipis, Jurten (runde Häuser, meist aus Holz), Dome (eine Konstruktion, die aussieht wie eine halbe Kugel, die aus Dreiecken aus zusammengeschraubten Holzstangen aufgebaut ist und mit wasserfestem Stoff überzogen wird) und noch viele weitere, namenlose Formen. Freie Wahl beim Wohnstil ergibt eben eine Fülle an Formen und Arten. Eines haben jedoch alle „Häuser“ gemeinsam: Sie sind klein gehalten. Etwa in der Größe von ein oder zwei mittelgroßen Zimmern. Davor haben dann viele eine Feuerstelle oder Freiluftküche mit Platz zum Sitzen, Musizieren und Plaudern, Familien haben meist etwas mehr Platz für die spielenden Kinder, manche haben einen kleinen oder größeren Garten, vielleicht eine Hängematte oder Schaukel – mehr braucht es nicht. Da es keine wirklichen Grenzen gibt, höchstens imaginäre, die aus Höflichkeit und Respekt gehalten werden, und alles in die Natur integriert ist, fällt die Schlichtheit des Wohnens kaum auf. Der Geist kann frei sein, deswegen braucht es keinen riesigen physischen Palast zum Ausgleich des inneren Eingesperrtseins.
Eine weitere Möglichkeit des kreativen Auslebens ist Leben ohne oder mit wenig Geld. Ich weiß nicht wie die einzelnen Menschen es empfinden, ich jedoch sehe es derzeit als ein Abenteuer und Spaß an. Wahrscheinlich weil ich auch noch über Ersparnisse verfüge und ich im Notfall immer etwas kaufen kann. Für manche hier ist die Lage durchaus ernster. Dennoch: Es ist eine Kunst in dieser von Geld beherrschten Welt ohne Geld auszukommen. Wenn der Geist befreit wird in Währungen zu denken, eröffnen sich viele andere, neue Wege.
Eine Sache die hier fleißig betrieben wird – auch als politisches oder philosophisches Statement – ist Recyceln. Vom Prinzip her dem Containern ähnlich, nur ist der Begriff Recyceln noch ausgedehnter. Es wird nicht nur Essen recycelt, sondern alles, was es so gibt und "normale" Menschen achtlos in den Müll schmeißen oder mitdenkende Menschen weitergeben, wenn sie es nicht mehr brauchen. Es wird versucht, alles Mögliche irgendwie wieder zu verwerten und dabei kommt dann der kreative Prozess zu Gange. Ich würde gerne einige Gegenstände nach ihrer Geschichte fragen.. Sie wandern umher von Person zu Person, manchmal bleibt die Funktion gleich, manchmal wird sie verändert. So werden zum Beispiel Holzreste, die mal irgendwelche Teile irgendwelcher Möbelstücke waren, so oft zu neuen Möbelstücken gezimmert bis sie nicht mehr zu gebrauchen sind und als Feuerholz zurück zur Natur finden. Kleidung wird selten gekauft, sondern meist weitergegeben oder aus dem Müll gefischt, manchmal bleibt sie wie sie ist, manchmal wird sie zu etwas Neuem, Anderen genäht.
Der Wandel obliegt den Gegenständen und ich würde sagen, dass auch Beneficio als Ganzes einem freien, uneingeschränkten Wandel folgt. Es wird nicht versucht, es starr zu lassen, was es ist. Vielleicht versuchen es einzelne Individuen, Beneficio als Ganzes wäre aber wohl nicht Beneficio, wenn es starr wäre oder versuchte starr zu sein. Ich habe viel mit Leuten gesprochen, die hier schon lange wohnen und habe dabei erfahren, dass Beneficio vor fünf, zehn oder fünfzehn Jahren anders war als es jetzt ist und es wird so wie es jetzt ist, wohl nicht die nächsten fünfzehn Jahre bleiben. Die Grundideen bleiben zwar, aber die Erfordernisse verändern sich mit der Anzahl der Menschen, deren Charakteren und Bedürfnissen, mit dem Wetter und seinen Spuren in der Landschaft, mit den bisherigen Erfahrungen und zukünftigen.
Eine wichtige Grundidee, die den stetigen Wandel erst ermöglicht: Beneficio hat keine geschriebenen Gesetze oder ausformulierte Philosophie, höchstens Vereinbarungen sozialer Natur, die ein gesunder Menschenverstand jedoch niemals sich einprägen oder erfragen muss: Keinen Müll in die Natur, respektvoller Umgang miteinander, niemanden etwas ungefragt wegnehmen etc. Nicht alle halten sich an diese Regeln und selbst dann drohen einem keine Strafen oder der Rauswurf. Höchstens intensive Gespräche und der Verlust von Vertrauen. Nur nach Jahren des wiederholten negativen Verhaltens werden die Menschen in Beneficio versammelt um darüber zu bereden, ob die Person weiter in Beneficio leben kann oder nicht. Das ist bisher wohl sehr selten passiert.
Manche sagen, das wäre Anarchie und auch ich dachte das zunächst. Mittlerweile bin ich mir nicht sicher. Anarchie hat ja durchaus eine Ordnung und eine gemeinsam beschlossene Grundstruktur. Das gibt es hier eben nicht. Manche hier sind Demokraten, viele Anarchisten, viele bezeichnen sich als unpolitisch. Eigentlich ist das hier Chaos – doch ohne das Chaos. Vielleicht ist das auch tatsächlich Anarchismus, wahrer Anarchismus. Ich weiß es nicht. Irgendwie funktioniert es hier, wie und warum, verstehe ich noch nicht. Aber um dieses Rätsel zu lösen habe ich ja noch Zeit.
Und diese verbringe ich weiterhin wie die anderen Menschen in Beneficio: Lebend, lernend und lachend.
Ich schätze in Beneficio leben mindestens 200 Menschen – einige leben hier seit vielen Jahre, einige sind nur zu Besuch ein paar Tage, Wochen oder Monate da. So gibt es zwar immer Gesichter, die ich wiedererkenne, aber auch immer wieder welche, die neu sind. Es gibt immer Menschen kennen zu lernen, weil ständig welche kommen und gehen. Die, die hier leben, lernen nie alle kennen, die Beneficio besuchen. Manchmal sehen sich Leute zum ersten Mal, obwohl sie beide seit Monaten schon hier sind. Hier wird sich wie in einem Dorf oder in einer kleinen Stadt immer begrüßt, und zwar mit „Hola!“. Die Hauptsprachen sind Spanisch und Englisch. Es ist auch hilfreich, tatsächlich beide Sprachen zu sprechen, da einige nur die eine oder andere sprechen. Je mehr Sprachen jemand spricht, desto besser. Hier sind unheimlich viele Nationen vertreten und viele Sprachkenntnisse erleichtern die Kommunikation und den Austausch. Menschen, die hier dauerhaft leben, sprechen meist drei oder mehr Sprachen: Ihre Muttersprache, Spanisch und Englisch. Nur die Englisch-Muttersprachler sprechen meist nur Englisch und Spanisch, und Spanisch-Muttersprachler sprechen meist nur Spanisch und vielleicht ein kleines bisschen Englisch. Die Kinder hier wachsen „zwangs“-weise mehrsprachig auf, und helfen manches Mal den Erwachsenen beim Dolmetschen. Manche gehen in der Kultur- und Sprachenvielfalt so sehr auf, dass sie eine Sprache nach der anderen lernen und es gibt hier ein paar Kinder, die vier- und fünfsprachig aufwachsen.
Beneficio ist ein wunderbarer Ort zum Lernen. Und dieses Lernen findet auf eine unheimlich natürliche Art und Weise statt. Nicht nur zum Sprachenlernen ist's hier toll, auch die Kunst, vor Allem die Musik, nimmt einen wichtigen Platz ein. Fast alle spielen ein Instrument oder spätestens, wenn jemand hier her kommt und eine Weile bleibt, wird eines erlernt. Von irgendwo kommen immer mal leise, mal lauter Gitarren-, Flöten-, Trommel- oder Didgeridoo-Laute. Und ergeben zusammen mit den Vogelstimmen und dem Rauschen der beiden kleinen Flüsse ein wunderbares Konzert. Diese Geräusche sind aber nicht aufdringlich, höchstens mal wenn jemand gerade lernt Didgeridoo zu spielen, könnte es nervig werden, aber ansonsten ist es immer sehr angenehm und ist wie Stille, auch wenn Geräusche hörbar sind. Diese Geräusche sind so angenehm, dass sie mit den Geräuschen in der Stadt nicht zu vergleichen sind. Die Stadt ist Lärm, hier ist Stille.
Neben der Musik, spielen auch andere Formen der geistigen Schöpfungskraft eine wichtige Rolle, ohne jedoch übermäßig betont und verzehrt zu werden, sondern indem sie ganz natürlich zum Alltag gehören. Viele haben kreative Frisuren, meist ein Teil in Dreads, ein anderer Teil kurz oder kahl gehalten, mit Farben darin oder Perlen. Manche haben Gesichtsbemalung. Viele toben sich bei ihrer Kleidung kreativ aus. Vor Allem eine Französin ist mir hier aufgefallen, die es immer wieder schafft französischen Schick mit alternativen, Ethno-Kleidungsstilen zu kombinieren.
Es gibt verschiedene Formen des Wohnens. Es gibt Zelte, Tipis, Jurten (runde Häuser, meist aus Holz), Dome (eine Konstruktion, die aussieht wie eine halbe Kugel, die aus Dreiecken aus zusammengeschraubten Holzstangen aufgebaut ist und mit wasserfestem Stoff überzogen wird) und noch viele weitere, namenlose Formen. Freie Wahl beim Wohnstil ergibt eben eine Fülle an Formen und Arten. Eines haben jedoch alle „Häuser“ gemeinsam: Sie sind klein gehalten. Etwa in der Größe von ein oder zwei mittelgroßen Zimmern. Davor haben dann viele eine Feuerstelle oder Freiluftküche mit Platz zum Sitzen, Musizieren und Plaudern, Familien haben meist etwas mehr Platz für die spielenden Kinder, manche haben einen kleinen oder größeren Garten, vielleicht eine Hängematte oder Schaukel – mehr braucht es nicht. Da es keine wirklichen Grenzen gibt, höchstens imaginäre, die aus Höflichkeit und Respekt gehalten werden, und alles in die Natur integriert ist, fällt die Schlichtheit des Wohnens kaum auf. Der Geist kann frei sein, deswegen braucht es keinen riesigen physischen Palast zum Ausgleich des inneren Eingesperrtseins.
Eine weitere Möglichkeit des kreativen Auslebens ist Leben ohne oder mit wenig Geld. Ich weiß nicht wie die einzelnen Menschen es empfinden, ich jedoch sehe es derzeit als ein Abenteuer und Spaß an. Wahrscheinlich weil ich auch noch über Ersparnisse verfüge und ich im Notfall immer etwas kaufen kann. Für manche hier ist die Lage durchaus ernster. Dennoch: Es ist eine Kunst in dieser von Geld beherrschten Welt ohne Geld auszukommen. Wenn der Geist befreit wird in Währungen zu denken, eröffnen sich viele andere, neue Wege.
Eine Sache die hier fleißig betrieben wird – auch als politisches oder philosophisches Statement – ist Recyceln. Vom Prinzip her dem Containern ähnlich, nur ist der Begriff Recyceln noch ausgedehnter. Es wird nicht nur Essen recycelt, sondern alles, was es so gibt und "normale" Menschen achtlos in den Müll schmeißen oder mitdenkende Menschen weitergeben, wenn sie es nicht mehr brauchen. Es wird versucht, alles Mögliche irgendwie wieder zu verwerten und dabei kommt dann der kreative Prozess zu Gange. Ich würde gerne einige Gegenstände nach ihrer Geschichte fragen.. Sie wandern umher von Person zu Person, manchmal bleibt die Funktion gleich, manchmal wird sie verändert. So werden zum Beispiel Holzreste, die mal irgendwelche Teile irgendwelcher Möbelstücke waren, so oft zu neuen Möbelstücken gezimmert bis sie nicht mehr zu gebrauchen sind und als Feuerholz zurück zur Natur finden. Kleidung wird selten gekauft, sondern meist weitergegeben oder aus dem Müll gefischt, manchmal bleibt sie wie sie ist, manchmal wird sie zu etwas Neuem, Anderen genäht.
Der Wandel obliegt den Gegenständen und ich würde sagen, dass auch Beneficio als Ganzes einem freien, uneingeschränkten Wandel folgt. Es wird nicht versucht, es starr zu lassen, was es ist. Vielleicht versuchen es einzelne Individuen, Beneficio als Ganzes wäre aber wohl nicht Beneficio, wenn es starr wäre oder versuchte starr zu sein. Ich habe viel mit Leuten gesprochen, die hier schon lange wohnen und habe dabei erfahren, dass Beneficio vor fünf, zehn oder fünfzehn Jahren anders war als es jetzt ist und es wird so wie es jetzt ist, wohl nicht die nächsten fünfzehn Jahre bleiben. Die Grundideen bleiben zwar, aber die Erfordernisse verändern sich mit der Anzahl der Menschen, deren Charakteren und Bedürfnissen, mit dem Wetter und seinen Spuren in der Landschaft, mit den bisherigen Erfahrungen und zukünftigen.
Eine wichtige Grundidee, die den stetigen Wandel erst ermöglicht: Beneficio hat keine geschriebenen Gesetze oder ausformulierte Philosophie, höchstens Vereinbarungen sozialer Natur, die ein gesunder Menschenverstand jedoch niemals sich einprägen oder erfragen muss: Keinen Müll in die Natur, respektvoller Umgang miteinander, niemanden etwas ungefragt wegnehmen etc. Nicht alle halten sich an diese Regeln und selbst dann drohen einem keine Strafen oder der Rauswurf. Höchstens intensive Gespräche und der Verlust von Vertrauen. Nur nach Jahren des wiederholten negativen Verhaltens werden die Menschen in Beneficio versammelt um darüber zu bereden, ob die Person weiter in Beneficio leben kann oder nicht. Das ist bisher wohl sehr selten passiert.
Manche sagen, das wäre Anarchie und auch ich dachte das zunächst. Mittlerweile bin ich mir nicht sicher. Anarchie hat ja durchaus eine Ordnung und eine gemeinsam beschlossene Grundstruktur. Das gibt es hier eben nicht. Manche hier sind Demokraten, viele Anarchisten, viele bezeichnen sich als unpolitisch. Eigentlich ist das hier Chaos – doch ohne das Chaos. Vielleicht ist das auch tatsächlich Anarchismus, wahrer Anarchismus. Ich weiß es nicht. Irgendwie funktioniert es hier, wie und warum, verstehe ich noch nicht. Aber um dieses Rätsel zu lösen habe ich ja noch Zeit.
Und diese verbringe ich weiterhin wie die anderen Menschen in Beneficio: Lebend, lernend und lachend.
Friday, May 28, 2010
Kurzes aus Beneficio
Ich bin nun seit neun Tagen in Beneficio. Ich habe mich seit dem immer wieder an einen Text gesetzt und doch nie einen zu Ende gebracht. Einer der Gründe dafür ist, dass es hier so viel zu erleben gibt, dass ich nicht viel zum Schreiben komme. Ein anderer Grund ist, dass ich festgestellt habe, dass es zwar unheimlich viel gibt, worüber ich schreiben kann, ich jedoch meine Erfahrungen und Erlebnisse erst einmal sacken lassen möchte bevor ich sie in einen Text bringe. Ich habe vor ein paar Tagen einen sehr anderen Text über Beneficio angefangen, als ich ihn jetzt schreiben würde.
Deswegen habe ich beschlossen, mir diese Zeit zu geben, Beneficio besser kennen zu lernen, und die durch Stadtleben bedingte Gewohnheit des schnellen Denkens und Handels abzulegen zu beginnen. Was gut werden soll, muss reifen ;)
Das nächste Mal dann also ausführlicher!
Deswegen habe ich beschlossen, mir diese Zeit zu geben, Beneficio besser kennen zu lernen, und die durch Stadtleben bedingte Gewohnheit des schnellen Denkens und Handels abzulegen zu beginnen. Was gut werden soll, muss reifen ;)
Das nächste Mal dann also ausführlicher!
Wednesday, May 19, 2010
Fast am Ziel
Ich bin in Granada. Endlich. Nur noch 50 Kilometer bis Orgiva und von dort aus ein Katzensprung nach Beneficio!
Mein ursprünglicher Plan war zunächst nach Valencia zu fahren und ich dachte gestern Abend, dass ich nie dort ankommen würde. Ich war mit dem Zug raus aus dem Zentrum Barcelonas gefahren zu einem Hitchhiking-Spot, den ich im Internet gefunden hatte. An der Station fand ich allerdings nicht den beschriebenen Weg zu der Stelle, dafür aber nette Menschen, die mich dorthin fuhren. Von dort aus brachten mich zwei Spanier zur nächsten peaje, von wo ich freundlich von einem der Aufseher weggeleitet wurde, da ich da anscheinend im Gegensatz zu Frankreich nicht stehen durfte oder besser gesagt nicht geduldet wurde. Der Aufseher zeigte mir jedoch eine andere Stelle, von der aus ich wider Erwarten auch weiter kam. Leider nicht sehr weit – etwa 40 km. Ich war bisher gewöhnt, schnell sehr weite Strecken zu überbrücken und nun etwas enttäuscht nur schleppend voran zu kommen. An der Tankstelle, an der ich rausgelassen wurde, war nicht viel betrieb, ich sah aber die schöne Natur um mich herum und spielte mit dem Gedanken, einfach zu wandern, wie weit ich kam. Es war auch schon recht spät und ich musste mir allmählich einen Schlafplatz suchen. Als ich gerade zur Karte der Umgebung lief um mir eine Wanderroute zu suchen, wurde ich von einem Fahrer angesprochen. Wie sich schnell herausstellte, von einem Deutschen, der zusammen mit seinem Freund aus den Staaten mit dem Auto durch Westeuropa fuhr unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ – das heißt nirgendwo lange bleiben, nur zum Essen oder Schlafen in eine Stadt gehen und den ganzen Tag fahren um möglichst weite Strecken zu überwinden. Ihre Route ging über Malaga, was etwa 100 km nach Granada liegt und ich konnte ihrem Angebot nicht widerstehen, die lange Strecke (acht Stunden) mit ihnen zu fahren und keinen Abstecher mehr bei Valencia zu machen. Um fünf Uhr morgens kamen wir dann bei Granada an, ich stieg an einer Tankstelle aus und es brauchte noch eine Weile, bis ich jemanden fand, der mich ins Zentrum fuhr. Meine beiden Fahrer hatten mich sozusagen dafür mitgenommen, dass ich sie wach hielt, da sie schon seit 36 Stunden unterwegs waren. Es ging also quasi um die Wurst, so dass ich tatsächlich auch selbst wach blieb. In Granada war ich aber nur noch fertig. Ich sah einen Campingplatz und entschied mich, eine Nacht zu buchen um erst einmal ausgiebig zu schlafen. Ich baute mein Zelt auf und warf mich hinein.
Als ich am Nachmittag wieder aufwachte, sah ich erst richtig, wo ich war. Es ist schon länger her, dass ich das letzte Mal auf einem Campingplatz war und damals hatte ich noch eine recht andere Art die Dinge zu sehen – wohl noch eine relativ "normale". Jetzt sehe ich alles aus einer vollkommen anderen Perspektive.
Ich sehe die unzähligen Menschen drumherum, die hier ihr Geld damit verdienen, die Toiletten zu putzen, Unkraut zu jäten, an der Rezeption zu sitzen oder die Pflanzen zu gießen. Und ich sehe die Menschen darin, die wohl ein Gefühl dafür haben, dass naturnahes Leben schöner ist, jedoch ihre „zivilisierten“ Gewohnheiten zu tief sitzen, so dass sie ihre Toiletten und Duschen brauchen, ihr Auto oder ihren Campingwagen, ihr Bett, ihre Tische und Stühle, ihren Kocher und ihr ganz normales Essen von zu Hause, die Nähe zur Stadt und den Zaun um das Grundstück. Ihre Fremdheit gegenüber der Natur ist so weit fortgeschritten, dass es wohl schon ein Abenteuer für sie ist, auf einem Campingplatz zu sein. Ich möchte mich da aber auch nicht vollkommen ausklammern. Schließlich sitze ich hier in meinem Zelt, schreibe an meinem Netbook, welches gerade am Strom läd, an dem auch mein Handy hängt, benutze die sanitären Anlagen hier und werde später in der Stadt einkaufen gehen.
Ich stecke noch genauso in all dem drinnen. Und ich möchte ausbrechen. Zumindest für eine gewisse Zeit bis ich von Allem so weit weg bin, so dass ich selbstständig und bewusst entscheiden kann, was ich annehmen möchte und was nicht.
Die letzte Woche war zwar anstrengend, aber ich merke, wie mich der Campingplatz unheimlich langweilt. Ich hatte mich im Hostel in Barcelona von den anfänglichen Strapazen ausführlich erholt und nun misse ich sie schon wieder. Ich bin gespannt auf Beneficio und frage mich, ob mich die Sicherheit dort nicht vielleicht auch langweilen könnte. Ich werde es sehen, hoffentlich noch heute.
Später nehme ich den Bus nach Orgiva und werde dann versuchen, Beneficio zu finden. Falls ich es nicht finde, suche ich mir dort einen Platz zum Schlafen und kann dann morgen nach dem Markt in Orgiva, auf dem auch Leute aus Beneficio verkaufen, mit jemanden nach Beneficio fahren.
Das nächste Mal gibt es dann also endlich Infos aus Beneficio! :)
Mein ursprünglicher Plan war zunächst nach Valencia zu fahren und ich dachte gestern Abend, dass ich nie dort ankommen würde. Ich war mit dem Zug raus aus dem Zentrum Barcelonas gefahren zu einem Hitchhiking-Spot, den ich im Internet gefunden hatte. An der Station fand ich allerdings nicht den beschriebenen Weg zu der Stelle, dafür aber nette Menschen, die mich dorthin fuhren. Von dort aus brachten mich zwei Spanier zur nächsten peaje, von wo ich freundlich von einem der Aufseher weggeleitet wurde, da ich da anscheinend im Gegensatz zu Frankreich nicht stehen durfte oder besser gesagt nicht geduldet wurde. Der Aufseher zeigte mir jedoch eine andere Stelle, von der aus ich wider Erwarten auch weiter kam. Leider nicht sehr weit – etwa 40 km. Ich war bisher gewöhnt, schnell sehr weite Strecken zu überbrücken und nun etwas enttäuscht nur schleppend voran zu kommen. An der Tankstelle, an der ich rausgelassen wurde, war nicht viel betrieb, ich sah aber die schöne Natur um mich herum und spielte mit dem Gedanken, einfach zu wandern, wie weit ich kam. Es war auch schon recht spät und ich musste mir allmählich einen Schlafplatz suchen. Als ich gerade zur Karte der Umgebung lief um mir eine Wanderroute zu suchen, wurde ich von einem Fahrer angesprochen. Wie sich schnell herausstellte, von einem Deutschen, der zusammen mit seinem Freund aus den Staaten mit dem Auto durch Westeuropa fuhr unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ – das heißt nirgendwo lange bleiben, nur zum Essen oder Schlafen in eine Stadt gehen und den ganzen Tag fahren um möglichst weite Strecken zu überwinden. Ihre Route ging über Malaga, was etwa 100 km nach Granada liegt und ich konnte ihrem Angebot nicht widerstehen, die lange Strecke (acht Stunden) mit ihnen zu fahren und keinen Abstecher mehr bei Valencia zu machen. Um fünf Uhr morgens kamen wir dann bei Granada an, ich stieg an einer Tankstelle aus und es brauchte noch eine Weile, bis ich jemanden fand, der mich ins Zentrum fuhr. Meine beiden Fahrer hatten mich sozusagen dafür mitgenommen, dass ich sie wach hielt, da sie schon seit 36 Stunden unterwegs waren. Es ging also quasi um die Wurst, so dass ich tatsächlich auch selbst wach blieb. In Granada war ich aber nur noch fertig. Ich sah einen Campingplatz und entschied mich, eine Nacht zu buchen um erst einmal ausgiebig zu schlafen. Ich baute mein Zelt auf und warf mich hinein.
Als ich am Nachmittag wieder aufwachte, sah ich erst richtig, wo ich war. Es ist schon länger her, dass ich das letzte Mal auf einem Campingplatz war und damals hatte ich noch eine recht andere Art die Dinge zu sehen – wohl noch eine relativ "normale". Jetzt sehe ich alles aus einer vollkommen anderen Perspektive.
Ich sehe die unzähligen Menschen drumherum, die hier ihr Geld damit verdienen, die Toiletten zu putzen, Unkraut zu jäten, an der Rezeption zu sitzen oder die Pflanzen zu gießen. Und ich sehe die Menschen darin, die wohl ein Gefühl dafür haben, dass naturnahes Leben schöner ist, jedoch ihre „zivilisierten“ Gewohnheiten zu tief sitzen, so dass sie ihre Toiletten und Duschen brauchen, ihr Auto oder ihren Campingwagen, ihr Bett, ihre Tische und Stühle, ihren Kocher und ihr ganz normales Essen von zu Hause, die Nähe zur Stadt und den Zaun um das Grundstück. Ihre Fremdheit gegenüber der Natur ist so weit fortgeschritten, dass es wohl schon ein Abenteuer für sie ist, auf einem Campingplatz zu sein. Ich möchte mich da aber auch nicht vollkommen ausklammern. Schließlich sitze ich hier in meinem Zelt, schreibe an meinem Netbook, welches gerade am Strom läd, an dem auch mein Handy hängt, benutze die sanitären Anlagen hier und werde später in der Stadt einkaufen gehen.
Ich stecke noch genauso in all dem drinnen. Und ich möchte ausbrechen. Zumindest für eine gewisse Zeit bis ich von Allem so weit weg bin, so dass ich selbstständig und bewusst entscheiden kann, was ich annehmen möchte und was nicht.
Die letzte Woche war zwar anstrengend, aber ich merke, wie mich der Campingplatz unheimlich langweilt. Ich hatte mich im Hostel in Barcelona von den anfänglichen Strapazen ausführlich erholt und nun misse ich sie schon wieder. Ich bin gespannt auf Beneficio und frage mich, ob mich die Sicherheit dort nicht vielleicht auch langweilen könnte. Ich werde es sehen, hoffentlich noch heute.
Später nehme ich den Bus nach Orgiva und werde dann versuchen, Beneficio zu finden. Falls ich es nicht finde, suche ich mir dort einen Platz zum Schlafen und kann dann morgen nach dem Markt in Orgiva, auf dem auch Leute aus Beneficio verkaufen, mit jemanden nach Beneficio fahren.
Das nächste Mal gibt es dann also endlich Infos aus Beneficio! :)
Monday, May 17, 2010
Long Nights
Have no fear
For when I'm alone
I'll be better off than I was before
I've got this light
I'll be around to grow
Who I was before
I cannot recall
Long nights allow me to feel...
I'm falling...I am falling
The lights go out
Let me feel
I'm falling
I am falling safely to the ground
Ah...
I'll take this soul that's inside me now
Like a brand new friend
I'll forever know
I've got this light
And the will to show
I will always be better than before
Long nights allow me to feel...
I'm falling...I am falling
The lights go out
Let me feel
I'm falling
I am falling safely to the ground
Meer!
Am Freitag Mittag habe ich mich nach Barcelona aufgemacht. Ich stand in Montpellier zunächst an einer Tankstelle kurz vor der Autobahn und sprach Leute darauf an, ob sie mich zur nächsten Mautstation bringen konnten. Dass jemand an dieser Stelle direkt nach Barcelona fuhr, hatte ich mir erst gar nicht erhofft. Ein Mini-Bus voller Gleichaltriger hielt an und sie nahmen mich mit – wie sich dann aber herausstellte mal wieder in die falsche Richtung.. Sie hatten mich missverstanden und dachten ich komme gerade aus Barcelona und will nach Berlin. Das war jedoch nicht weiter tragisch, da ich an der Mautstation bequem auf die andere Seite gehen konnte, um die Autos Richtung Süden abzupassen. Dort stand ich etwa zwei Minuten bis ich von drei Franzosen direkt nach Barcelona mitgenommen wurde. Mein bisheriges Tramp-Resumée aus Frankreich ist sehr gut. Ich könnte es mir nicht besser vorstellen. Ich stand nie länger als fünf Minuten, meist gerade mal eine oder zwei Minuten. Von Spanien habe ich gehört, dass es schwieriger sei, und bin gespannt wie es tatsächlich wird, wenn ich mich später nach Valencia aufmache. Immerhin habe ich dort bereits eine Couch zum Surfen gefunden. Hier in Barcelona habe ich bei meinem zweiten Couchsurfing direkt eine schlechte Erfahrung gemacht.. Durch Anschreiben einzelner Menschen fand ich leider nichts, weswegen ich dann in einer „Last-Minute-Group“ meine Anfrage postete. Dort schrieb mir dann auch jemand zurück, der durchaus nett zu sein schien. Nachdem ich hier ankam musste ich erst einmal warten, bis mein Gastgeber mit der Arbeit fertig war – was bis kurz vor 1.00 Uhr nachts dauerte. Als es dann soweit war wollte ich nur noch ins Bett. Aber das sollte wohl ein Traum bleiben. Ich sagte zwar immer wieder, wie müde ich war, aber er ignorierte es und schleppte mich zu einer Partymeile um dort etwas zu trinken – was ja genau meine Welt ist.. Ich hatte kaum eine Wahl, konnte schlecht ohne ihn und ohne Schlüssel mich in seiner Wohnung schlafen legen und wollte auch nicht um diese Uhrzeit durch die Stadt irren auf der Suche nach einem Hostel. Also trank ich ein Glas Wasser und versuchte ihm weiterhin klar zu machen, dass ich sehr müde war und mich schlafen legen wollte. Er jedoch versuchte mich die ganze Zeit dazu zu überreden, mit ihm Salsa zu tanzen. Irgendwann hatte er es endlich verstanden und wir gingen zu ihm, wo ich mich endlich in meinen Schlafsack kuscheln konnte – mit der Gewissheit mir für den nächsten Tag etwas anderes zu suchen. Morgens konnte ich dann noch nicht einmal ansatzweise ausschlafen, sondern sollte mit ihm um sieben Uhr das Haus verlassen, als er zur Arbeit ging. Also verbrachte ich den Samstag damit, müde durch die Stadt zu irren und ein Internetcafé und anschließend ein Hostel zu suchen. Ich wurde auch fündig, fand sogar ein sehr sauberes, gut ausgestattetes und günstiges Hostel, wo ich zwei Nächte buchte. Endlich konnte ich schlafen und dann gestern in aller Ruhe durch die Stadt spazieren und am Strand liegen. Barcelona ist eine Stadt, die sich sehr bemüht, angenehm zu sein, viel Natur, Kunst und Raum zu bieten. Die wichtigen Straßen sind sehr breit mit viel Platz für alle – Metro, Autos, Fußgänger, Inline-Skater und Fahrradfahrer. Es wachsen überall Bäume, wo es nur möglich ist, auf den Hauptstraßen stehen sie in sechs bis acht Reihen. Es gibt hier auch viele Parks und grüne Flächen. Aber je länger ich unterwegs bin, desto mehr sehne ich mich nach Ruhe, nach Natur pur und Raum. In einer anderen Metropole, die nicht so sehr um eine gute Atmosphäre bemüht ist, würde ich es wohl kaum aushalten, in Barcelona geht es gerade noch. Deswegen habe ich mich entschieden keinen Abstecher nach Madrid zu machen, sondern möglichst direkt nach Beneficio zu fahren. Ich möchte mich auch nicht wieder allzu weit vom Meer entfernen und freue mich in Valencia wieder eine Runde schwimmen gehen zu können. Schon als ich am Freitag hier her fuhr und ab und an auf der linken Seite von der Autobahn aus das Meer sah, bekam ich Herzklopfen. In Barcelona angekommen lief ich während der Wartezeit am Strand entlang und hatte dabei ein unheimlich wohliges Gefühl. Mit jedem Mal wird meine Liebe zum Meer größer und ich frage mich, wie ich je wieder eine längere Zeit ohne es aushalten soll.. Ich frage mich auch, woher dieses Gefühl kommt, mich am Meer unglaublich wohl und zu Hause zu fühlen, obwohl ich nie am Meer, noch nicht einmal an einem See lebte. Ich habe das Gefühl zu spüren, wie unglaublich groß und weit es ist, voller Leben und Tiefe. Das Gefühl, das ich gegenüber dem Meer habe, ist dem gegenüber Bäumen, vor Allem alten und großen, sehr ähnlich. Vielleicht sind es auch irgendwelche angenehmen Schwingungen, die von beiden ausgehen. Und obwohl ich noch nicht in Beneficio angekommen bin und obwohl ich derzeit ziemlich geschlaucht bin von meiner bisherigen Reise, denke ich schon über mein nächstes Abenteuer nach.
Eine Idee von vielen (die Welt ist voll unglaublich vieler Möglichkeiten :), ist die Meere zu bereisen. Ich habe auch ein sehr angenehmes Gefühl wenn ich Schiffe sehe, vor Allem Segelschiffe. Möglicherweise war ich in einem früheren Leben auf den Weltmeeren mit einem Segelschiff unterwegs und dadurch verbinde ich so positive Gefühle damit ^^ Ich frage mich wie ich am Besten, also am Kostengünstigsten, einige Zeit die Meere besegeln kann. Mir wurde mal erzählt, dass es eine alternativere Familie gibt, die auf einem Segelschiff lebt und ab und an Leute mit nimmt, die dann auf dem Schiff helfen und dafür dort ein paar Wochen oder Monate leben können. Etwas in diese Richtung suche ich, weiß jedoch nicht, wie ich das finden kann und was es noch für andere Möglichkeiten gibt. Wenn jemand irgendeine Ahnung hat, bitte schreibt mir ein Kommentar unter diesen Post! Vielen Dank!
Ich mache mich jetzt auf nach Valencia, bis bald!



Eine Idee von vielen (die Welt ist voll unglaublich vieler Möglichkeiten :), ist die Meere zu bereisen. Ich habe auch ein sehr angenehmes Gefühl wenn ich Schiffe sehe, vor Allem Segelschiffe. Möglicherweise war ich in einem früheren Leben auf den Weltmeeren mit einem Segelschiff unterwegs und dadurch verbinde ich so positive Gefühle damit ^^ Ich frage mich wie ich am Besten, also am Kostengünstigsten, einige Zeit die Meere besegeln kann. Mir wurde mal erzählt, dass es eine alternativere Familie gibt, die auf einem Segelschiff lebt und ab und an Leute mit nimmt, die dann auf dem Schiff helfen und dafür dort ein paar Wochen oder Monate leben können. Etwas in diese Richtung suche ich, weiß jedoch nicht, wie ich das finden kann und was es noch für andere Möglichkeiten gibt. Wenn jemand irgendeine Ahnung hat, bitte schreibt mir ein Kommentar unter diesen Post! Vielen Dank!
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