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Sunday, May 9, 2010

Abschied von Paris

Heute ist mein letzter Tag in Paris und meine Reise geht weiter. Ich bin heute noch einmal zu einem Bioladen gegangen um mir Proviant zu kaufen und bin dabei über einen Flohmarkt in der Rue Mouffetard gestolpert. Es verkauften Privatpersonen entlang der Straße ihre aussortierten Habseligkeiten - so wie ich Flohmärkte mag. Und mitten drin wurde ein Straßenmusicalstück aufgeführt.
Nun habe ich meinen Proviant, die Sachen werden gleich gepackt und dann geht es los: Ich trampe das erste Mal. Ich bin ziemlich aufgeregt und hoffe, dass alles gut funktioniert. Ich habe mich auf http://hitchwiki.org über den besten Spot für mein Ziel informiert, habe ein großes Schild und einen dicken Stift und habe vorhin ein 1-Cent-Stück und den Ring gefunden, den ich verloren zu haben glaubte - es kann nichts mehr schief gehen ;)
Mein nächster Eintrag dann womöglich aus einem Internetcafé in Lyon oder wie weit ich eben komme oder wohin es mich verschlägt..
Au revoir!


Flohmarkt in der Rue Mouffetard.


Das Straßenmusical.


Notre Dame.

Saturday, May 8, 2010

Zweiter Tag - Auf der Suche nach dem alternativen Paris..

Heute haben wir das alternative Paris gesucht. Gefunden haben wir es auch - im Sinne von nicht-touristisches Paris, jedoch nicht im Sinne von alternatives Paris wie Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin. Wir haben es in Montreuil gefunden, direkt am Boulevard Périphérique. Ob das genau genommen noch zu Paris gehört? Zum Stadtkern jedenfalls nicht.. Das Viertel wurde im Internet zwar als alternativ bezeichnet, war jedoch einfach nicht so touristisch und schick wie das Centre, sondern eher unschön mit Stadtautobahn-Charme. Wir waren dort auf einem Flohmarkt, Puces de Montreuil. Ich hatte mir von diesem mehr erhofft, da in einer Beschreibung viel Gutes stand. Es gab da zwar viel Second-Hand-Ware, aber weniger wie gehofft Second-Hand-Kleidung, sondern eher gebrauchte Autoteile, Küchenbedarfsartikel und Bohrmaschinen. Dinge, die tatsächlich etwas für mich hätten sein können, gab es auch - nicht nur massenweise, sondern leider auch Massenware, made in China.. Ich wurde dennoch fündig. Ich suchte noch nach Büchern für die Reise und hatte mir gedacht, ich könnte mir ein Französisches besorgen um meine Kenntnisse etwas aufzufrischen. Auf dem Flohmarkt habe ich dann ein gebrauchtes Buch gefunden mit dem Titel "Les plaisirs du voyage" (Die Freuden des Reisens) aus dem Jahre 1950. Von meiner Gastgeberin habe ich dann noch das Buch "Planet der Taugenichtse" bekommen - über eine positive Utopie, in der anarchistische Bewohner_innen auf einen anderen Planeten verbannt werden. Beide Bücher klingen passend für meine Reise und ich bin gespannt, wie sie mich begleiten werden. Später hatte ich mir dann das 3ème Arrondissement, in dem ich untergekommen bin, näher angeschaut. Wer interessiert ist an etwas teurerem Shopping oder einfach interessantem Schaufensterbummel, dem_der kann ich die Rue Vieille du Temple empfehlen. Auf ihr befinden sich viele Mode-Shops, aber auch andere Läden, die schön und kreativ eingerichtet sind. Mein bisheriges Résumé aus Paris: Ich denke, dass Paris noch viele weitere unentdeckte Seiten hat, aber ein paar Tage schlicht nicht ausreichen, um sie zu finden. Sie scheinen etwas besser versteckt zu sein und befinden sich möglicherweise auch nicht auf der Straße, sondern in irgendwelchen Kellern oder Appartments. Ich würde gerne wieder kommen, jedoch würde ich dann länger bleiben wollen - mehrere Wochen - und bei mehreren, möglichst unterschiedlichen CouchSurfing-Hosts unterkommen um entsprechend möglichst unterschiedliche Seiten Paris' zu entdecken.

Hier die Schnappschüsse des heutigen Tages:

Auf dem Weg nach Montreuil :/


"Paris wie Sie es nie gesehen haben" - Das haben wir gesucht...


...und das haben wir gefunden - Puces de Montreuil.


"Flower Power" vor einem Blumengeschäft.


Rue Vieille du Temple.


Boulevard du Temple.


Rue de Renard.

Friday, May 7, 2010

Bilder von meinem ersten Tag in Paris

Irgendwann bin ich doch eingeschlafen und trotz des kurzen Schlafes und der großen Müdigkeit, habe ich es geschafft recht früh aufzustehen und einige Stunden durch die Stadt zu spazieren. Herausgekommen ist dabei Folgendes:

Die Schlange vor dem Centre Pompidou..







Angriff!

Kinoflair im Café. Der Film: Die Straße.







Vis à vis.

Auch ein schönes Leben :)







Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind nun abgehakt und ich werde morgen versuchen eine alternativere Seite Paris' zu finden :)

Paris und "Was wäre wenn.."

Mein erster Tag in Paris neigt sich langsam seinem Ende zu. Und es war ein anstrengender Tag..
Ich bin heute Nacht um etwa 00.30 Uhr mit einer Mitfahrgelegenheit in Paris angekommen – war jedoch erst kurz vor 3.00 Uhr bei der Freundin, bei der ich die Tage in Paris unterkomme. Was habe ich bloß diese ganze Zeit gemacht? Zunächst einmal wollte ich mit der Métro zu ihr fahren. Stellte jedoch fest, dass es in Paris das gleiche System wie in London gibt, nämlich dass mensch nur zum Gleis kommen kann, wenn vorher bereits ein Ticket gekauft und am Durchgangs-Automaten (wie nennen sich diese Dinger?) eingescannt wurde. Ich konnte aber leider keinen Automaten zum Kauf eines Tickets finden und der Schalter war gerade nicht besetzt. Ich rannte hin und her, suchte nach Menschen. Schließlich fand ich eine nette Französin, die mir helfen wollte. Auch sie fand keinen Automaten und spendierte mir deswegen freundlicherweise eine Fahrt mit ihrem Monatsticket. Aber leider war es schon zu spät, die letzte Métro für die Nacht war bereits abgefahren. Ich ging wieder hoch und in die Richtung einer anderen Métro-Station in der Hoffnung, dass dort noch etwas fuhr. Ich fand die Station zwar, kam aber ein paar Minuten zu spät für die letzte Fahrt an.
Auch Busse und andere öffentliche Verkehrsmittel fuhren nicht mehr. Ich musste wohl mit meinem schweren Rucksack nachts in einer fremden Stadt zu Fuß gehen.. (Taxi kam für mich nicht in Frage - ich will es mir ja nun nicht so einfach machen ;). Es war eigentlich eine ganz gute Übung für den Anfang meines allein-und-ungeplant-Reisens. Ich lief zwar manches Mal nicht ganz richtig, einmal fast im Kreis, da ich mich nur mit den sporadisch vorkommenden und nicht so genauen Bushaltestellen-Fahrplänen orientieren konnte, kam aber an meinem Ziel an. Unterwegs fragte ich ab und an nach dem Weg (auf Französisch – es war in den letzten zwei Jahren doch nicht verloren gegangen, nur etwas eingeschlafen :) und kam so ins Gespräch mit einem netten, jungen Mann aus Kanada, der seit einigen Monaten in Paris lebte. Er begleitete mich das letzte Stück, da er in die gleiche Richtung musste, und wir unterhielten uns übers Reisen. Nur der Französisch-Englisch-Misch-Masch war etwas verwirrend, da wir uns nicht recht für eine Sprache entscheiden konnten..
Als ich endlich da war, fiel ich nur noch müde ins – äh – auf die Isomatte. Aber obwohl ich so müde war gingen mir trotzdem die bereits gefundenen Eindrücke aus Paris und die Fahrt noch lange durch den Kopf.

Die Fahrt war sehr interessant – ich hatte diese Vorahnung bereits als ich noch in Karlsruhe auf den Fahrer wartete. Ich fuhr mit zwei Cosmopoliten. Einem scheinbar recht hohen Tier in einer Automobilfirma, der Süd-Tiroler Herkunft war, in Frankreich studiert hatte, in München arbeitete und mit seiner französischen Frau und ihrem gemeinsamen Sohn in der Nähe von Paris wohnte. Und mit einem französischen Dokumentar-Filmer, der schon in jedem Land im Rahmen seiner Arbeit gewesen zu sein schien, und mit seiner deutschen Frau und ihren Kindern in Freiburg wohnte.
Die beiden hatten viel Interessantes zu erzählen, vor Allem der Dokumentar-Filmer hatte schon viel gesehen und erlebt – zum Beispiel war er an Bord mit Sea Shepherds während sie eine Waljagd verhinderten. Aber vor Allem fand ich interessant, dass auch diese beiden doch so sehr in der Gesellschaft und dem Kapitalismus verankerten Menschen, viel, viel Kritik äußerten am System. Bei dem, was sie so sagten, fragte ich mich wie sie trotz dieser Einsichten und Erfahrungen nicht auch zusammenpackten und gingen. Ich weiß natürlich nicht, was die Gründe sind, ich kann mir nur vorstellen, dass sie vielleicht zum Einen immer noch an das Grundsystem glauben und denken, dass es nur verbessert werden müsse, zum Anderen wird es wohl auch die Angst sein – die Angst vor dem Unbekannten, die Angst, die sichere Umgebung zu verlassen und die Angst, dass es keine Alternative gibt. Wenn wir uns nie auf die Suche nach ihr begeben, können wir immer die Hoffnung bewahren, dass es sie doch irgendwo gibt.
Auch ich habe diese Ängste. Ich weiß aber nicht, warum ich dennoch gehe. Vielleicht weil ich jung bin und noch nicht richtig eingespannt wurde in das System.. Vielleicht auch weil es mir so schwer fällt mich an alle dortigen Regeln zu halten – ich beherrsche es nicht mich an Regeln zu halten, die ich nicht für richtig halte. Ich beherrsche es nicht, runter zu schlucken und abzuwarten. Ich meine das keinesfalls negativ gegenüber denen, die es beherrschen. Das ist prinzipiell eine wertfreie Eigenschaft, sie kann negativ, aber auch positiv sein – so könnte sich zum Beispiel erst einmal im System hochgearbeitet werden um es dann von Innen heraus zu verändern und zu verbessern. Oder es könnte Geld gespart werden dadurch und dann damit ausgestiegen und eine Stück Land oder Ähnliches gekauft werden. Ich hatte mir diese Möglichkeiten überlegt, aber es liegt mir einfach nicht.. Also werde ich wohl arm und machtlos bleiben ^^

Was mich etwas erschaudern ließ auf der Fahrt: Die beiden kamen irgendwann darauf, dass es eigentlich das Beste wäre, wenn alle sich ein Stück Land kauften und autark lebten und sie fragten sich, was dann geschehen würde. Dass wohl eine Revolution ausbrechen würde und alles lahm gelegt wäre.
Ich erschauderte, weil ich mir drei Tage zuvor die Frage stellte: Was wäre, wenn alle täten, was sie glücklich machte? Ich hatte bereits angefangen einen Text dazu zu schreiben und mir zu überlegen: Was wäre wenn? Und was hält uns davon ab?
Ich dachte mir ebenfalls, dass wohl eine Revolution ausbrechen würde – aber keine gewalttätige, wütende, sondern eine friedliche Revolution. Eine Revolution des nicht „Nicht-Tuens“, die nur daraus besteht, nicht mehr zu tun, was nicht gewollt wird, nicht mehr unterstützen, was korrupt und zerstörerisch ist, nicht mehr an dem System teilhaben – sondern aussteigen.

Nun mögen wohl einige sich denken, dass Chaos herrschen würde und es doch zu Zerstörung kommen würde. Und das mag vielleicht auch richtig sein – aber das muss nicht negativ sein bzw. bleiben. Das Wichtige wäre danach nicht wieder zu allem Negativen zurückzukehren, sondern aus dem Chaos etwas Neues, möglicherweise nie zuvor da Gewesenes, zu gebären. Eine neue Form des Miteinanders – mit uns selbst, mit anderen Menschen, mit anderen Tieren, Pflanzen, dem Planeten und Allem, was es sonst noch gibt. Natürlich wünsche ich mir selbst aber eine friediche Revolution! Oder eher eine Evoution.
Ich bin davon überzeugt, dass der Moment kommen wird, in dem die meisten, wenn nicht alle Menschen mutig sind, auszusteigen, nicht mehr mitzumachen bei dieser Verrücktheit. Und was jetzt getan werden kann bis es soweit ist, ist dass sich Einige schon auf den neuen Weg machen, um es den Anderen dann später einfacher zu machen. Und dass Erfahrungen und Einsichten festgehalten werden.
Jedes Ende ist auch ein Anfang. Und es kann ein wunderbarer Anfang sein.

(Ich finde es übrigens gerade sehr passend, dass ich in Paris bin, dem Zentrum der französischen Revolution. Ich bleibe gespannt, was noch alles passen wird im Lauf meiner Reise.)